begrenzt offener Realisierungswettbewerb
2018
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Justizzentrum Osnabrück

Erweiterung des Justizzentrums in Osnabrück

Städtebau
Der Neubau des Justizzentrum Osnabrück etabliert eine neue Beziehung zwischen den Bürgern und der Justiz. Das geplante Ensemble gibt sich demokratisch, einladend, transparent: eine Ort im Dienst der Bürger.
Ein neuer horizontaler Baukörper erstreckt sich über die freien Bereiche des Innenhofes und ergänzt als Triangel den Gebäudeblock. Der Neubau schließt im Innenbereich sanft über 4 Ebenen an die beiden Gebäudekörper von Landgericht und Amtsgericht an und bildet im Schnittpunkt eine als Galerie ausgebildete Zone der Zirkulation und Kommunikation.
Der neue Innenhöfe als gemeinsames Element wird eingerahmt von dem 2-geschossigem Verbindungsflügel, der Galerie und dem 5-geschossigem Hauptflügel des Neubaus.
Der zweite Innenhof nimmt die notwendigen Flächen für die Stellplätze auf und wird mit einer Durchfahrt vom rückwärtigen Bereich erschlossen. Zum Platz markiert das neue Eingangsgebäude den Zugang und vermittelt mit zurückhaltender Gestaltung zwischen den beiden Bestandsgebäuden.
Eine anpasste Höhenentwicklung der Bauteile fasst die Bestandsgebäude zusammen und sucht den Anschluss an das benachbarte Parkhaus. Das neue Ensemble ermöglicht so neue Synergien zwischen dem alten Landgericht und dem Bestand des Amtsgerichtes. Neubau und Altbau ergänzen sich in gegenseitigem Respekt und bilden gemeinsam ein kompaktes Justizzentrum.

Organisation
Die 4-geschossige Galerie in Fortsetzung zum Eingangsbereich dient der Verknüpfung aller öffentlichen Bereiche des Ensembles von Alt- und Neubau. An den Schnittpunkten mit den Bestandsgebäuden schaffen zwei großzügigen Treppenhäuser eine vertikale Verknüpfung und bieten zusammen mit dem neuen Innenhof eine gute Orientierung über alle Geschosse und wiederkehrenden Wartezonen.
Im EG und 1. OG werden die Grundrisse des Neubaus als Triangel konzipiert und beherbergen im EG die öffentliche Funktionen in Verbindung zum Bürgerservice im Bestand des Amtsgerichtes.
Im 1.OG befindet sich der neue Sitzungsaal und die Büroflächen der Gerichte.
Davon abgetrennt werden in den Obergeschossen des Hauptflügels die Räumlichkeiten der JVA organisiert. Erschlossen vom rückwärtigen Bereich am Landgericht befindet sich der Besuchsbereich und die nötigen Diensträume, im folgenden Geschoss die Hafträume und im obersten Geschoss der Freibereich mit den Gemeinschaftsräumen.

Architektur
Das alte Landgericht und die neuzeitlichen Baukörper von Amtsgericht und Hochhaus bilden eine heterogene Grundlage für das neue Justizzentrum. Der Neubau muss ebenso repräsentativ erscheinen und gleichzeitig die verschiedenen Stile vereinen. Ziel ist es eine Architektursprache zu finden, die das Bild eines homogenen und schlüssigen Ensembles mit hohem Wiedererkennungswert vermittelt. Auf eine plakative Differenzierung oder einen Bruch im Erscheinungsbild oder in der Materialität zwischen den vertikal und den horizontal Baukörper wird daher bewusst verzichtet.
Die Differenzierung erfolgt vielmehr subtil durch die Lesbarkeit der unterschiedlichen Geschosshöhen, die Höhenstaffelungen und die unterschiedliche Tiefenwirkung der Fassaden, ohne dass die Kraft der Baukörper geschwächt wird.

Die in einem hellen, warmen Grau durchfärbten horizontalen Fertigteile der Fassade entwickeln ein Spiel aus offeneren und geschlossenen Wandpartien und vermitteln so zwischen der öffentlichen Nutzung und den Anforderungen der JVA. Die dahinterliegende Fassadeneben wird je nach Anforderung transparent in Glas, geschlossener im Bereich der Büronutzung und massiv in den Hafträumen ausgeführt- ein Spiel zwischen Transparenz und Massivität.

Materialität
Die Materialität folgt im Inneren des Gebäudes dem Prinzip von Offenheit und Dauerhaftigkeit. Das Ziel ist es helle und freundliche Räume zu gestalten. Als Bodenbelag ist ein heller monolithischer Terrazzo vorgesehen, der das natürliche Licht einfängt. Raumhohe Holztüren und Glasscheiben bilden zusammen mit den großzügigen Blickbeziehungen des Innenhofes eine angenehme Innenraumgestaltung .
Alle gewählten Materialien werden mit der Zeit eine schöne Patina bekommen, so dass sich der Neubau mit dem Bestand vereinigt.

Brandschutz
Der Wunsch den öffentlichen Bereich des Neubaus möglichst großzügig und offen zu gestalten würde einer klassischen Zonierung bzw. Unterteilung des Neubaus durch Brandwände entgegenstehen.
Um dennoch den  bauordnungsrechtlichen Schutzzielen gerecht zu werden, werden die diese Bereichen mit einem Sprinklerschutz zu versehen. Diese Auslegung bietet zudem die Möglichkeit die Flurzonen im öffentlichen Bereich freier zu gestalten.
Im Bereich der JVA stehen insgesamt 3 Fluchtreppenhäuser zu Verfügung und ermöglichen flexible Rettungskonzepte unter Einbeziehung der nötigen Sicherheitsüberlegungen.
Die erforderlichen Rettungswege des Neubaus werden im Bereich des EGs durch entsprechende Abschlüsse nach außen geführt, nach Analyse des Bestandsgebäudes werden auch hier alle Rettungsweglängen eingehalten.

Energie- Haustechnikkonzept
Für den Neubau des Verwaltungsgebäudes wurde ein Energie- und Raumklimakonzept erstellt, das zum einen durch Nutzung regenerativen Energien besticht, zum anderen ideale Innenraumklimaverhältnisse schafft. So wurden Raumklimasysteme gewählt, die optimal im Zusammenspiel mit den natürlich am Standort verfugbaren Ressourcen funktionieren, höchsten Nutzerkomfort erlauben und durch intelligente Gebäudeautomation energiesparend eingesetzt werden.

Wärmeversorgung
Durch die gewählte Fassade (3-Scheiben Wärmeschutzverglasung, hohe Dämmstarke der opaken Gebäudehüllteile) werden die Wärmetransmissionsverluste minimiert.
In Zeiten, in denen das Gebäude aktiv beheizt werden muss, dienen zwei Systeme zur Wärmebereitstellung – der Rücklauf der Fernwärme und eine Grundwasserwärmepumpe.
Aus Redundanzgründen wird ein Fernwärmeanschluss mittels Wärmetauscher installiert, welcher so dimensioniert ist, dass alle Systeme versorgt werden können.

Kälteversorgung
Um den Wärmeeintrag im Sommer so gering wie möglich zu halten und dennoch eine hohe Tageslichtverfügbarkeit zu gewährleisten werden Sonnenschutzgläser gewählt. Der außenliegenden Sonnenschutz minimiert die äußeren Kühllasten zusätzlich auf ein Minimum.

Lüftung
Die öffentlichen Bereiche sowie die Büros werden natürlich Belüftetet und zusätzlich mittels automatisierte Nachtauskühlung optimiert.

Ökonomie
Das Energiekonzept gewährleistet moderate Investitionskosten. Vor allem durch die Minimierung des Energiebedarfs, einen bedarfsgerechten Betrieb und durch Nutzung frei verfügbarer, regenerativen Energien werden die Nutzungskosten minimiert.